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Krankenhaus Bethanien

Kolumne Februar 2013 von Dr. med. Hagmeyer

Thema: Langzeit-Sauerstofftherapie — Warum die Therapietreue so wichtig ist

Herr Detlef H., 58 Jahre, wandte sich vor gut zwei Jahren an unsere Lungenfachklinik, weil er bei seiner schweren Lungenerkrankung aufgrund von schwerer Luftnot kaum mehr gehen konnte. Er wünschte sich einen Rollstuhl und eine Sauerstoffversorgung. Verschiedene Lungenerkrankungen führen im fortgeschrittenen Stadium typischerweise zu schwerer Luftnot. Oft kann mit Medikamenten Abhilfe geschaffen werden. Wenn aber die Lunge nicht mehr in der Lage ist, genügend Sauerstoff aus der Luft ins Blut aufzunehmen, entsteht Sauerstoffmangel im Körper. Bei schwerkranken Patienten ist Sauerstoff in dieser Situation ein hervorragendes „Medikament.“ Doch die Therapie ist nicht nur zur Symptomlinderung geeignet. Am Häufigsten wird Sauerstoff für Patienten im fortgeschrittenen Stadium einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) oder eines Lungenemphysems verordnet. Für diese Patienten stehen prinzipiell viele Therapiebausteine zur Verfügung (vgl. Tabelle). Jedoch gerade von der Sauerstofflangzeittherapie und von regelmäßigem Training können sich schwerkranke Patienten ein längeres Überleben und eine Vermeidung von Krankenhausaufenthalten erhoffen. So schlugen wir zusammen mit Herrn Detlef H. zunächst auch den Weg ein, mit regelmäßigem Training unter medizinischer Anleitung seine Leistungsfähigkeit zu erhöhen, außerdem wurde mit einer Sauerstofflangzeittherapie begonnen. Auf die Rollstuhlverordnung wurde verzichtet. Da der menschliche Körper Sauerstoff nicht speichern kann, haben kurzzeitige Sauerstoff-Inhalationen leider keinen positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf. Aus diesem Grund müssen sauerstoffpflichtige COPD-Patienten die Therapie mindestens 16 Stunden täglich nutzen. Unter Sauerstoffgabe besteht kein Sauerstoffmangel mehr, der Körper muss weniger Anstrengung aufbringen und kann sich gerade über Nacht besser erholen. Dank der höheren Energiereserven verbessert sich dann die Leistungsfähigkeit am Tag spürbar. Infekte und Luftnot-Attacken können besser überwunden werden. Mithilfe der Sauerstofftherapie sind die Patienten deutlich mobiler und können auch die Kontakte im Familien- und Freundeskreis aufrecht erhalten. Diese positiven Effekte werden für die Patienten ganz konkret erlebbar. Auch bei Herrn Detlef H. waren die positiven Therapieeffekte bald spürbar. Nach Verbesserung der körperlichen Fitness hatten uns nach ausführlichen Aufklärungsgesprächen zusammen mit dem Patienten zunächst für eine Vorbereitung und Listung zur Lungentransplantation entschieden. Der weitere Verlauf war jedoch weiterhin sehr positiv, so dass wir Herrn Detlef H. nach knapp zwei Jahren wieder von der Lungentransplantationsliste streichen lassen konnten, da es ihm deutlich besser ging. Heute genießt er die täglichen kilometerweiten Spaziergänge mit seiner Frau, die Sauerstoffflasche ist immer dabei.

Therapiemöglichkeiten bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD)

  • Beendigung des Zigarettenrauchens
  • inhalative Spraytherapie
  • Sauerstofftherapie
  • nichtinvasive Masken-Beatmungstherapie
  • Training und Rehabilitationsmaßnahmen
  • chirurgische Lungenvolumen-Reduktions-Operation
  • bronchoskopische Lungenvolumenreduktion mit Ventilen, Spiralcoils oder Polymerschaum
  • Lungentransplantation

Dr.med. Lars Hagmeyer ist leitender Oberarzt im Krankenhaus Bethanien. Er ist Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie, Allergologie und Schlafmedizin.

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